Cannabis-Clubs in Deutschland warten auf grünes Licht vom Bundestag
Nach langen Diskussionen könnte der Cannabiskonsum in Deutschland legal werden
Der Bundestag stimmt heute über ein Gesetz zur Legalisierung des Besitzes von bis zu 25g Marihuana für den persönlichen Gebrauch und den Anbau von bis zu drei Cannabispflanzen ab. Die Cannabis-Clubs warten gespannt auf das grüne Licht oder den weißen Rauch aus Berlin.
Bundestag stimmt über die Teillegalisierung von Cannabis ab
Sowohl Befürworter als auch Kritiker der geplanten Teillegalisierung von Cannabis beobachten gespannt die kommenden Ereignisse. Im Berliner Bundestag findet heute die Abstimmung über die Entkriminalisierung des Besitzes und Anbaus von Marihuana statt. Es wird geschätzt, dass eine Mehrheit der Abgeordneten der Ampel-Koalition für die Gesetzesvorlage stimmen wird. Nach der Abstimmung muss der Gesetzentwurf noch in den Bundesrat, jedoch erfordern die neuen Regelungen nicht dessen Zustimmung.
Der Besitz und Anbau bestimmter Mengen wird ab dem 1. April für Erwachsene erlaubt sein. Ab dem 1. Juli sollen die Clubs für den nicht-kommerziellen Anbau geöffnet werden. Zahlreiche Cannabis-Clubs in Deutschland, die bereits gegründet wurden oder sich in der Vorbereitung befinden, warten gespannt auf diesen Termin.
Details zur Teillegalisierung
Sollte der Gesetzentwurf angenommen werden, dürfen Erwachsene bis zu 25 Gramm Cannabis in der Öffentlichkeit besitzen. In der eigenen Wohnung dürfen drei Cannabispflanzen sowie bis zu 50 Gramm selbst angebautes Cannabis legal sein. Die Ernte darf ausschließlich für den eigenen Gebrauch verwendet werden und darf nicht weitergegeben werden. Samen, Pflanzen, Marihuana und Haschisch müssen vor Diebstahl und Kindern geschützt sein.
In Städten wie Frankfurt, Kassel, Gießen, Fulda und anderen sind bereits Cannabis-Clubs entstanden. Eine (unvollständige) Liste ist beispielsweise auf der Website des Bundesverbands Deutscher Cannabis-Social-Clubs zu finden. Über 100 Clubs sind dort bereits landesweit registriert.
Viele Menschen wollen Mitglieder der Clubs werden
In der Stadt Fulda gibt es bereits mehrere Clubs. Einer davon nennt sich „Broccoli Buddies“. Die farbliche und visuelle Ähnlichkeit der Cannabispflanzen mit Brokkoli trug zur Namenswahl bei, wie die Vorsitzende Elena Fischer erklärte.
Fischer berichtet von großem Interesse am Club, dem bereits 200 Menschen beigetreten sind. Über 100 weitere haben Interesse geäußert, Mitglied zu werden, falls das Gesetz in Kraft tritt. Bei 500 Mitgliedern wird es einen gesetzlichen Aufnahmestopp geben. In Gießen gibt es sogar bereits 1.000 Menschen, die Interesse an einer Mitgliedschaft im Club haben, wie der Gründer Tim Barton erklärte.
Um in Fulda bei den „Broccoli Buddies“ Mitglied zu werden und Cannabis zu erhalten, sind einige neue Mitglieder bereit, bis zu 300 Kilometer zu fahren. Fischer betonte, dass man nur Mitglied in einem Club sein kann. In Fulda müssen Mitglieder sogar 21 Jahre alt sein statt 18, da Verantwortung und Lebenserfahrung in diesem Alter größer sind – so die Vorsitzende des Clubs.
Hohe Investitionen für die Clubs
Die Mitglieder von „Broccoli Buddies“ müssen eine Jahresgebühr von 100 Euro zahlen. Fischer schätzt den Preis pro Gramm auf etwa acht Euro. „Die Kosten sind wirklich enorm“, erklärte Fischer. Zunächst müsse man über 10.000 Euro in die Anmietung einer Halle und den Kauf von Anbaugeräten investieren, bevor die ersten Pflanzen nach einigen Monaten unter speziellen Lampen und in sorgfältig regulierten Bedingungen wachsen könnten.
Fischer und ihre Helfer ließen sich von Beispielen aus anderen Ländern inspirieren. So gibt es in Spanien bereits solche sozialen Cannabis-Clubs. Sie war überrascht, dass sich neben jungen Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren auch viele Personen über 50 Jahre registrierten.
Wann sie ihr erstes legales Marihuana erwerben können, ist noch unklar. Für Clubvorsitzende Fischer steht jedoch fest: „Wenn das erste Marihuana über die Theke geht, wird das für alle ein sehr emotionaler Moment sein“. Dann sei die Zeit der Kriminalisierung vorbei und die Träume der Konsumenten würden wahr.
Meinungen zur Legalisierung sind geteilt
Der öffentliche Konsum soll unter anderem in Schulen, Sportstätten und in deren Sichtweite verboten sein – konkret in einem Abstand von 100 Metern zum Schuleingang. Spätestens 18 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes soll eine Bewertung erfolgen, unter anderem über dessen Auswirkungen auf den Kinder- und Jugendschutz.
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) äußerte Kritik und bezeichnete die Pläne der Koalition als „falsches Signal“. Er erwartet, dass dieser Schritt zur Ausweitung des Schwarzmarktes führen wird. „Das hätte schwerwiegende Konsequenzen für den Kampf gegen die organisierte Kriminalität, könnte zu einer Zunahme der Jugendkriminalität führen und die Verkehrssicherheit beeinträchtigen“.
Auch die Innenminister der Länder warnten vor den negativen Auswirkungen der Legalisierung. Vertreter der Medizin haben ebenfalls Bedenken geäußert.
Gegenüber diesen Bedenken steht die Meinung von etwa 30 Wissenschaftlern und Fachleuten. In einem offenen Brief an die Abgeordneten des Bundestags fordern sie Unterstützung für die geplante Teillegalisierung.
Der Initiator des Briefes ist Bernd Werse. Der Leiter des Drogenforschungszentrums an der Universität Frankfurt erklärte, dass es längst an der Zeit sei, dass Menschen für den Besitz kleiner Mengen nicht mehr bestraft würden. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass weder der Konsum ansteigt noch der Schwarzmarkt wächst, wenn der Besitz und der Anbau von Marihuana für den Eigenbedarf entkriminalisiert werden. Wir warten gespannt auf die Ergebnisse der heutigen Abstimmung im Bundestag.